Horst Alisch

Selbstporträt 1973 Alisch & Willi Der Berliner Zeichner Horst Alisch, Jahrgang 1925, lernte das zeichnerische Handwerk wie viele der Kollegen seiner Generation, die nach dem Krieg als Grafiker und Comiczeichner in der DDR populär wurden, als Trickfilmzeichner in den Studios der UFA. Nach dem Krieg arbeitete er als Karikaturist für diverse Zeitschriften und Tageszeitungen, bevor er in der BZA, im Eulenspiegel und der NBI mehrere Comic Strip-Serien landen konnte.

Größte Berühmtheit erlangt er jedoch mit seinen Kreationen für die Pionierzeitschrift FRÖSI, wo er seit 1968 u.a. auch im künstlerischen Beirat tätig war. Dort erschien sein längster Comic Strip, Ali & Archibald, der es nicht nur in eine eigene Buchausgabe schaffte (siehe Nachdrucke), was in der DDR nur wenigen Zeitschriften-Strips vergönnt war, sondern auch ein Exportartikel wurde, wie man auf dem Ausschnitt aus der ungarischen Humorzeitschrift Hahota (#14) sehen kann. Neben Ali und Archibald schuf er für die Frösi diverse Serien, die sich teilweise regelrecht zu Maskottchen der Zeitschrift mauserten. Näheres und ein paar Beispielfolgen dazu auf der entsprechenden Unterseite.


Willi von Hellersdorf Nach der Abwicklung der Frösi im Zuge der Wende gründete Horst Alisch 1990 gemeinsam mit einigen ehemaligen Kollegen die private Verlagsgesellschaft Halb & Halb, die zum Herausgeber des Rätsel- und Comicheftes Knobelei wurde. Dafür entwickelte er die Serie Kids und Co., bevor er 1992 ausschied und seitdem wieder freiberuflich tätig ist. Halb & Halb erlangten 2002 Berühmtheit mit einem Versuch, die Frösi neu zu starten.

Seit 1992 arbeitet er für die Wohnungsbaugesellschaft Hellersdorf (WoGeHe), deren Maulwurf-Maskottchen Willi er entwickelte, das in Comics und Vignetten in der Zeitschrift "Die Hellersdorfer" erscheint sowie in Broschüren, Kalendern, Ausstellungen und Malbüchern auftrat. Das obige Foto zeigt den Künstler mit einer überlebensgroßen Variante seiner Kreation, neben der sogar ein Michael-Jackson-Imitator zur Randerscheinung wird.

Teddy Buletti Von 1993 bis 1997 gestaltete er Teddy Buletti, die monatliche Speisekarte für Schüler und Lehrer, mit der die Berliner Firma Bärenmenü für ihre Produkte warb. Auch hier veröffentliche er neben Comics mit der Titelfigur Teddy, Erwin, Kurt und der Tierwärterin Carolin eine große Zahl Rätsel, Karikaturen und Spielereien.

1997 beauftragte ihn die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft Berlin mit der Entwicklung einer Logofigur für Materialien zum Thema Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. Siggi ist seit 2000 auch Star eigener Comic Strips, die in der Genossenschaftszeitschrift Sicher Leben erscheinen. Für 2003 hat er Siggi zur Hauptfigur eines großformatigen Unfallverhütungskalenders gemacht, dessen tolle Bilder einen ungewohnt realistischen Strich zeigen.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat Horst Alisch sich also nicht in die Verbitterung über die Wende, sondern in den produktiven Unruhestand begeben, Aufträge aquiriert und sich mit Arbeit eingedeckt. Er lebt heute in der Nähe von Berlin, hat noch immer viele unveröffentlichte Ali-und-Archibald-Strips auf Lager und eine Menge Ideen für andere Projekte, auch mit seinen klassischen Figuren, für die ein Verlag gesucht wird. Zum Wirken eines Karikaturisten in der DDR hat er unzählige Anekdoten auf Lager, von denen hoffentlich bald einige hier erscheinen werden...